Martin Gutzeit ist gestorben
Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh 8,32)
Martin Gutzeit war neben seinem Lehrer Wolfgang Ullmann einer der philosophischen Köpfe der friedlichen Revolution und des Demokratieaufbaus in und nach der DDR.
Als Pfarrerssohn wurde er mit der Härte der SED-Diktatur konfrontiert, in der eigenen Biographie ebenso, wie in der Anschauung des Diktatur-Alltags, die das Leben im Pfarrhaus und die Arbeit im volkseigenen Betrieb mit sich brachten.
Die Bildungshindernisse, die die SED ihm auferlegte, führten ihn am Ende ins Theologische Sprachenkonvikt Berlin, wo differenziertes und philosophisches Nach- und Vorausdenken der Lieblingssport war. Dort wurde die befreiende Kraft der Wahrheit (Joh 8,32) trainiert. Aus dieser Denkfreiheit wuchs die Kühnheit, mit der Martin Gutzeit mit Kommilitonen den Plan für eine Neugründung der Sozialdemokratie in der DDR entwarf.
Mit seiner fortwährenden Reflexion befruchtete er die Aufarbeitung der DDR-Geschichte auch in seiner langen Amtszeit als Landesbeauftragter für diese Aufgabe. „Ein wahrhaftiger Zeuge rettet manchem das Leben; aber wer Lügen ausspricht, übt Verrat.“ (Spr 14,25)
Das war es, was seine Behörde für viele ehemals Verfolgte leistete, in diesem Geist war er auch dem Bürgerbüro treu verbunden.
Möge er die endgültige wunderbare Wahrheit und Freiheit nun erfahren.
Hildigund Neubert, Vorsitzende des Bürgerbüro e.V.
- Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur -

