„Scham und Angst “. Fachgespräch im Deutschen Bundestag
5. März 2026. Zwangseinweisungen und Misshandlungen von jungen und minderjährigen Frauen in den sogenannten Tripperburgen der DDR
Die Schicksale der jungen Frauen und Mädchen, die in der DDR in Geschlossene Venerologische Stationen verbracht wurden, ist den meisten Menschen in Deutschland weitgehend unbekannt.
In diese an Gefängnisse erinnernden Einrichtungen wurden über die Jahrzehnte zehntausende junge Frauen und Mädchen unter dem Vorwand des Verdachts auf eine Geschlechtskrankheit eingewiesen – regelmäßig direkt von der Volkspolizei. Betroffen waren weibliche Personen, die nicht ins sozialistische Weltbild passten.
Eine medizinische Indikation fehlte bei fast 80 Prozent der Patientinnen, sagte Professor Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm, während des Fachgesprächs. Dennoch wurden die jungen Frauen auf den Geschlossenen Venerologischen Stationen täglich gegen ihren ausdrücklichen Willen brutalen gynäkologischen Untersuchungen unterzogen. Wie systematisch dort sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde, zeigt die Forschung seit einigen Jahren.
Viele der Betroffenen haben über Jahrzehnte über das Erlebte geschwiegen. Zu schambehaftet und traumatisierend waren die Erlebnisse für sie.
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat mit diesem Fachgespräch im Bundestag auf dieses dunkle Kapitel der SED-Diktatur aufmerksam gemacht, an dem sowohl Abgeordnete als auch Aufarbeitungsinitiativen, das Stasi-Unterlagen-Archiv, der BAB, das Bürgerbüro, Opferverbände, Betroffene und Journalist*innen teilnahmen und miteinander ins Gespräch kamen.
Angelika Börner, die mit 15 Jahren ohne medizinische Indikation für acht Wochen in der Geschlossenen Venerologischen Station der Poliklinik Mitte in Halle festgehalten wurde, berichtete im Interview mit Evelyn Zupke über tägliche brachiale demütigende Untersuchungen, Tablettengaben und regelmäßige Vergewaltigungen, für die nie ein Täter zur Verantwortung gezogen wurde.
Im anschließenden Panel erörterten die Zeitzeugin und Initiatorin eines Erinnerungszeichens der Geschlossenen Venerologischen Station Berlin-Buch, Martina Blankenfeld, zusammen mit Prof. Dr. Florian Steger, Dr. Fruzsina Müller vom Medizinhistorischen Institut der Charité Berlin und der Journalistin Sabine Seifert den gegenwärtigen Aufarbeitungsstand und die Bedarfe von Betroffenen und Wissenschaft.
Deutscher Bundestag - Zwangseingewiesen und vergewaltigt in den „Tripperburgen“ der DDR

